Rezension: Bodyfinder 02 - Ruf der verlorenen Seelen von Kimberly Derting

7:38:00 PM


Autor: Kimberly Derting
Titel: Bodyfinder 02 - Ruf der verlorenen Seelen
Teil einer Reihe? Ja, 2. Teil einer Trilogie
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Coppenrath
ISBN-10: 3649601494 
ISBN-13: 978-3649601494
Preis: 16,95€
Originaltitel: The Body Finder - Desires Of The Dead
Genre: Jugendbuch; Romantasy; Mistery; Thriller
Themen: besondere Gaben; Beziehung; Liebe; Mord; Jagd; Stalking
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«Immerhin war sie noch so weit bei Bewusstsein, dass sie den Atem des Mannes am Nacken spürte. Sie hatte Angst. Wahnsinnige Angst. Sie verstand genug von dem, was er sagte, um zu merken, dass er gefährlich war. Er war ihr gefolgt, mitten in der Nacht. Und selbst durch den Schleier, der ihre Wahrnehmung trübte, begriff sie, dass er wusste, weshalb sie hier war. Er wusste, dass sie die Tote gefunden hatte. Sie schaute auf seine Hand, auf das, was er darin hielt, und augenblicklich klärten sich ihre verwirrten Gedanken. Sie sah, wie er den Griff des Jagdgewehrs umfasste. Dann schaute er sie an. "Es tut mir wirklich leid, dass du sie entdeckt hast", sagte er traurig. "Ich wollte nicht, dass noch jemand sterben muss."»
[aus "Bodyfinder 02: Ruf der verlorenen Seelen" von Kimberly Derting; S. 12]

Erster Satz:
Violet kniete über dem gefrorenen Boden.

Inhalt:
Als Violet die Leiche eines verschwundenen Jungen aufspürt und anonym die Polizei verständigt, zieht sie so die Aufmerksamkeit des FBI auf sich. Doch ihre Gabe, die Echos der Toten aufzuspüren muss doch eigentlich versteckt bleiben, auch wenn ihre Eltern ihr dies niemals gesagt haben. Währenddessen bekommt sie anonyme Anrufe, die mit einem Schweigen in der anderen Leitung enden, wenn sie diese annimmt und bald auch kleine Drohbriefe zugesteckt. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu und bald ist nicht nur Violet selbst in Gefahr, sondern auch ihre Beziehung zu Jay und dieser ist der Einzige, den Violet nie verlieren wollte...

Schreibstil:
Wie auch schon im ersten Teil bedient sich Kimberly Derting eines sehr einfachen Schreibstiles, der zwar sicherlich keine großen Auffälligkeiten aufweist, dafür aber dafür sorgt, dass Situationen, Gefühle und Charaktere sehr genau beschrieben werden können und so für den Leser greifbarer sind. Störend wird irgendwann die Tatsache, dass ihre Sätze alle sehr ähnlich aufgebaut sind und meist mit "Violet sah...", "Jay sagte..." anfangen, was auf Dauer den Lesefluss etwas stört und schnell nervt. Trotzdem erschafft Derting eine düstere Atmosphäre und es gelingt ihr, den Leser zittern zu lassen.

Meinung:
Manchmal sollte man vielleicht nicht zwei mal in den Wald hineinrufen, denn das zweite Echo könnte sich als schädlich erweisen. Darüber, dass der zweite Teil in Deutschland erscheinen würde, habe ich mich nun schon seit einiger Zeit gefreut, allerdings war ich mehr als geschockt, als ich das Cover gesehen habe und die süße Geschichte um Violet und Jay gar nicht darin wiedererkannte. Weswegen man das Cover derart geändert hat, dass es nicht mehr als Teil der Bodyfinder-Reihe erkennbar ist, entzieht sich zwar meiner Vorstellung, aber letztendlich kommt es ja doch auf den Inhalt an. Ein zweiter Echo-Teil und ganz viel Violet und Jay, darauf habe ich mich gefreut, aber letztendlich war das Buch leider etwas schwächer als sein Vorgänger, weswegen ein einziger Schrei in den Wald womöglich gereicht hätte - Manchmal ist weniger doch eben mehr.

Damit möchte ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist oder mich nicht fesseln konnte - So ist es nicht. Ich hatte einige unterhaltsame Lesestunden mit der Geschichte, allerdings hat sie für mich die Stimmung des ersten Teils nicht so gut auffangen können. Woran das genau liegt? Die Spannung ist da, zieht sich durch das ganze Buch, die Charaktere entwickeln sich merkbar weiter und auch sonst scheint alles positiv zu sein. Allerdings ist die Geschichte sehr vorhersehbar und im Grunde genommen weiß man sehr schnell, wer der Täter ist, was dem Ganzen dann doch sehr viel an Überraschung nimmt. Es gibt Bücher, die einem auf Grund der vielen Wendepunkte im Kopf bleiben, aber "Ruf der verlorenen Seelen" ist leider keines von ihnen.

Was jedoch, wie auch schon beim Vorgänger, mehr als gut gelingt, sind die Beschreibungen von Gefühlen, die absolut authentisch sind und die man beinahe schon mitfühlen kann. Derting beweist hier wieder die besondere Gabe, Emotionen einzufangen und sie über Worte zu vermitteln, was der Geschichte sehr viel an Glaubwürdigkeit und Identifikationspotenzial gibt. So kommen die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Ängste der Protagonistin und auch die Gedanken der anderen Figuren sehr gut rüber.

Im Gegensatz dazu stehen die Charaktere, die mich mehr als einmal genervt zurückgelassen haben. Vor allen Dingen Violet hat sich eher zum Negativen gewandelt, denn sie handelt egoistisch und verhält sich Jay gegenüber einfach sehr ungerecht. Schade fand ich auch, dass sie sich immer mehr zurückzieht und so eine sehr depressive Atmosphäre aufkommt, die ich von Violet nicht erwartet hätte. Allerdings bleibt sie dennoch eine interesste Figur, die Mut beweist und auf jeden Fall eine Sympathieträgerin ist. Die Tatsache, dass es zwischen ihr und Jay natürlich auch nicht sonnig bleiben kann, fand ich einmal mehr langweilig, denn bei Trilogien scheint es inzwischen gang und gäbe zu sein, dass Pärchen, die sich im ersten Teil gefunden, im zweiten Teil irgendeinen Streit haben und sich deswegen trennen. Allerdings hat mich dabei nicht nur Violet, sondern auch Jays Perfektion gestört, denn er wird einfach viel zu glatt dargestellt.

Besonders interessant hingegen ist die Tatsache, dass Violets Gabe in den Vordergrund rückt und diese genauer beleuchtet wird. So scheint sie auch nicht die Einzige zu sein, die eine besondere Gabe hat und das widerrum bringt sehr viel Potenzial mit sich, was hoffentlich im dritten und letzten Teil ausgeschöpft wird.

Fazit:
Manchmal reicht es, einmal in den Wald hineinzutönen, obwohl man vielleicht noch nicht alles gesagt hat. Bodyfinder 01 wäre auch ohne den Nachfolger gut ausgekommen, allerdings heißt das nicht, dass "Ruf der verlorenen Seelen" ein schlechtes Buch ist - Es ist in meinen Augen lediglich schwächer als noch sein Vorgänger und schafft es daher mich nur halbwegs zu überzeugen. Vollgepackt mit Emotionen und Echos aller Art findet man in der Geschichte eine spannende Lektüre für zwischendurch, die man nicht so schnell aus der Hand legen kann - auch wenn die Handlung sehr schnell durchsichtig wird und man schnell weiß, worauf alles letztendlich hinauslaufen wird.



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Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanke ich mich sehr herzlich bei

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