Rezension: Herzklopfen auf Französisch von Stephanie Perkins

5:29:00 PM


Autor: Stephanie Perkins
Titel: Herzklopfen auf Französisch
Teil einer Reihe? Nein
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: cbt
ISBN-10: 3570401235 
ISBN-13: 978-3570401231
Preis: 6,00€
Originaltitel: Anna and the french kiss
Genre: Realität; Jugendbuch
Themen: Auslandsjahr; Eltern; Liebe; Ängste; Einsamkeit; Selbstfindung; Selbstentwicklung
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«Und zum ersten Mal seit meiner Rückkehr bin ich richtig glücklich. Es ist schon seltsam. Mein Zuhause. Ich habe mich so lange danach gesehnt, nur um dann zurückzukommen und festzustellen, dass es nicht mehr da ist. Nur um hier in meinem offiziellen Zuhause zu sein und zu merken, dass "zu Hause" für mich jetzt woanders ist. Aber das stimmt auch nicht ganz. Ich vermisse Paris, aber es ist auch nicht mein Zuhause. [...] Kann es sein, dass "zu Hause" kein Ort, sondern eine Person ist? [...] Ich könnte es ihm niemals sagen, aber es stimmt. Das hier ist "zu Hause". Wir beide.»
[aus "Herzklopfen auf Französisch" von Stephanie Perkins; S. 303]

Erster Satz:
Das hier ist alles, was mir zu Frankreich einfällt: die Filme Madeline, Die fabelhafte Welt der Amélie und Moulin Rouge.

Inhalt:
Als die siebzehnjährige Anna Oliphant von ihrem Vater für ein Jahr nach Paris aufs Internat geschickt wird, kann sich die angehende Filmkritikerin definitiv Besseres vorstellen als Französischunterricht und ein fremdes Land. Während sie ihre beste Freundin und ihren Schwarm in Atlanta zurücklassen muss, muss sie nun lernen auf eigenen Beinen zu stehen und ihre Ängste überwinden. Das gelingt ihr vor allen Dingen als sie den gutaussehenden Étienne kennenlernt, der von allen "St. Clair" genannt wird. Plötzlich ist Paris mit all den Facetten, alten Kinos und wunderschönen Gebäuden eine zauberhafte Stadt und auch ihre Beziehung zu Étienne wird immer enger und herzlicher. Doch Anna weiß: Étienne ist für sie tabu, denn er hat eine Freundin und auch sonst stehen den Beiden ein ganzer Haufen Steine im Weg.

Schreibstil:

Mit einem einfachen und jugendgerechten Schreibstil schreibt Stephanie Perkins über französische Herzklopfen und schafft damit eine flüssig und leicht leserliche Geschichte. Der Schreibstil bleibt daher eher oberflächlich und vermittelt das Herzklopfen nur bedingt, allerdings wirken die Beschreibungen der Charaktere und der Stadt definitiv authentisch, sodass man sich schnell im Geschehen wiederfindet und eine besondere Atmosphäre aufkommt, die sich durch das ganze Buch zieht. Sicherlich keine literarische Meisterleistung, die man ja auch nicht erwartet, aber eine lockerleichte Lektüre für sonnige Tage.

Meinung:

Eine Geschichte ohne Gefühle in der "Stadt der Liebe"? Das ist ungefähr so wie Frühling ohne Tulpen oder Weihnachten ohne Geschenke. Das hat sich wohl auch Stephanie Perkins gedacht und eine gefühlvolle Liebesgeschichte vor der Kulisse des schönen Paris geschaffen, die nicht nur eine sich entwickelnde Beziehung zwischen zwei Menschen beschreibt, sondern auch von Freundschaft, Selbstfindung und der Überwindung von Ängsten erzählt.

Meine Erwartungen an dieses Buch beschränkten sich auf eine lockerleichte Sommerlektüre, die mit einer spritzigen Liebesgeschichte daherkommt und die richtige Frühlingsatmosphäre verbreitet. Allerdings wurden diese nur zum Teil erfüllt, denn die Geschichte enthält mehr Tiefe, als ich gedacht hätte, bestätigt aber auch leider viel zu viele Klischees und unterscheidet sich schematisch nicht sehr von altbekannten Geschichten. Bei manchen Büchern hat man dieses Gefühl, es unbedingt mögen zu müssen, weil es vielleicht vorher schon sehr hochgelobt worden ist oder einfach, weil man von der Geschichte so viel erwartet und dann ist man umso enttäuschter, wenn das Buch nicht dem entspricht, was man sich vorgestellt hat. "Herzklopfen auf Französisch" war teils so ein Fall und daher konnte ich es auch nicht so sehr genießen, wie ich es mir gewünscht hätte.

Besonders positiv fiel jedoch die versprochene Liebesgeschichte auf, denn dies hier ist eins der wirklich seltenen Bücher, in denen sich die Liebe Schritt für Schritt und aus erkennbaren Gründen entwickelt. Es hat viel Spaß gemacht, der Freundschaft - und dann auch der Zuneigung - zwischen Anna und Étienne zu folgen und ihren Umgang miteinander, der sehr warm und witzig, aber auch eng und ernsthaft war. Doch die Geschichte gewinnt nicht nur durch die zwischenmenschlichen Beziehungen an Authentizität, sondern auch durch die unverkennbaren Probleme eines jungen Mädchens, dass sich selbst noch nicht gefunden hat. Ich finde es schön, dass Anna sich während des Buches immer mehr zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt und sich selbst entdeckt und ausprobiert. Eine Identifikation mit der Protagonistin ist daher sehr leicht und sorgt dafür, dass man sich besser in der Geschichte einfindet.

Trotz der gut dargestellten Persönlichkeitsentfaltung war Anna zeitweise etwas nervig. Sie stellt sich ständig Steine in den Weg, handelt und denkt naiv. Auch bei Étienne, der von allen St. Clar genannt wird, fiel mir eine Annäherung erst schwer. Durch den Spitznamen "St. Clair" (sein Nachname) wirkte er irgendwie immer sehr distanziert und war mir fern. Außerdem war auch seine Beziehung zu seiner Freundin Ellie irgendwie nicht so verständlich. Nach und nach lernt man ihn jedoch besser kennen und kommt ihm so auch näher. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen wirkten die Figuren sehr dreidimensional und realitätsnah. Jede Person stand für sich und zeigte eigene Merkmale und Makel, sodass sie an Glaubwürdigkeit gewannen.

Gelungen und glaubwürdig empfand ich auch den Aspekt der Auslandserfahrungen und des Einlebens von Anna in eine neue Kultur. Die Werte und Emotionen, die hier angesprochen werden, kennt sicherlich jeder, der einmal irgendwo fremd und neu war und so vermittelt das Buch neben der Liebesgeschichte auch noch die Botschaft, Mut zu haben und sich seinen Ängsten zu stellen.

Fazit:

Trotz kleiner Schwächen sind Herzklopfen bei dieser Lektüre nicht ausgeschlossen. In der Stadt der Liebe gibt es neben neuen Eindrücken gemeinsam mit Anna so einiges zu entdecken und natürlich verspricht Paris eine ganze Portion Liebeschaos, die nicht so leicht zu bewältigen ist. Allerdings sollte man aufpassen, dass man sich nicht überfrisst, denn irgendwann wird das Liebes-Hin-und-Her doch etwas nervig, auch wenn das Gefühl zwischen den Zeilen stimmt. Ein schönes Buch für zwischendurch, dass den Leser auf die Suche nach der Liebe und dem eigenen Ich mitnimmt.


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