Rezension: Finding Sky - Die Macht der Seelen von Joss Stirling

10:00:00 AM


Autor: Joss Stirling
Titel: Finding Sky - Die Macht der Seelen
Teil einer Reihe? Ja, 1. Teil einer Trilogie.
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3423760478
Preis: 16,95€
Originaltitel: Finding Sky
Genre: Urban Fantasy; YA; Jugendbuch; Romance
Themen: Seelen; Liebe; Selbstfindung; Trauma; Paranormalität; Freundschaft; Familie; Verfolgung; Flucht; Angst
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Das Auto fuhr davon und ließ das kleine Mädchen auf dem Parkplatz zurück.

 
Sky Brights Leben hat einen schwarzen Fleck, da wo ihre Vergangenheit ist und fürchtet sich vor ihren Erinnerungen. Auch so fällt es ihr schwer, sich in der Gesellschaft richtig zurecht zu finden, denn tief in ihrem Inneren weiß sie, dass sie anders ist. Als sie mit ihren Adoptiveltern nach Amerika zieht, wird sie auf der High School freundlich aufgenommen, doch der attraktive und abweisende Zed Benedict ist anders. Unfreundlich und zornig wie er ist, schüchtert er nicht nur seine Lehrer und Mitschüler ein, sondern ist auch Sky gegenüber sehr unhaltsam. Bis sich plötzlich alles ändert und Zed und Sky sich näher kommen...

 
Joss Stirling weiß mit ihrem Schreibstil umzugehen und schafft es, den Leser in ihre Geschichte zu ziehen. Charmant und witzig schreibt sie aus der ersten Person Singular und überbrückt damit die Distanz zu der Protagonistin Sky. Leicht und fluffig, aber dennoch gefühlvoll ist ihr Schreibstil nett zu lesen und schafft es, den Leser zu bannen, da sie beim wesentlichen Handlungsstrang bleibt und eine Handlung auf die andere folgt.

Im Leben ist jeder auf der Suche. Ob das die Suche nach dem passenden Deckel, sich selbst oder dem Sinn des Lebens ist, spielt dabei absolut keine Rolle, denn letztlich dreht sich alles um das große Suchen und Finden. Das ist in Büchern nicht anders, schließlich spiegeln sie das Leben selbst dar - nur eben mit etwas mehr Möglichkeiten und Phantasie. So wird auch in allen Büchern/Filmen fleißig gesucht: Nach den Seelenverwandten, Nemo, Liebe, dem eigenen Ich. Von dieser Tatsache weicht auch "Finding Sky: Die Macht der Seelen" nicht ab und so ist Sky - ganz nach dem Buchtitel - auf der Suche. Sie sucht sich selbst, ihre Erinnerungen und etwas, was sie noch gar nicht so richtig benennen kann. Und ich? Ich bin auf der Suche nach einer ganz bestimmten Antwort, deren Frage lautet: Wann ist Urban Fantasy so eintönig geworden?

Mittlerweile sollte ja jeder mitbekommen haben, dass Urban Fantasy seit Twilight einem ganz besonderen Schema folgt, dass sich immer auf verschiedene Weisen wiederholt und ganz ehrlich? So langsam ermüdet mich das doch sehr. Nochmal zusammengefasst (für alle, die vielleicht noch nicht so viel in diesem Genre unterwegs waren): Mädchen zieht um, kommt an neue Schule, trifft auf Bad Boy, Bad Boy hasst sie, sie hasst ihn, plötzlich: Liebe, dann dramatische Wendung, kurz vor Tod, Rettung vom tapferen Ritter, Ende. Seltsamerweise funktioniert es doch immer wieder und löst in einigen Fällen trotzdem einen Hype aus - so auch bei "Finding Sky". Und wie das so ist mit den Hypes, gibt es auch diejenigen, die den ganzen Trubel weniger nachvollziehen können und die die hochlobenden Rezensionen nicht so ganz vertreten können - eben so, wie meine Wenigkeit.

Vorerst sei gesagt: Finding Sky ist nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut. Es hebt sich meiner Meinung nach nicht von seinen Geschwistern desselben Genres ab, bleibt Einheitsbrei - wenn auch unterhaltsamer Einheitsbrei. Meine Erwartungen waren naiverweise mal wieder hochgeschraubt, auch wenn ich doch inzwischen so eine unterschwellige Skepsis in diesem Genre an den Tag lege, die mir immer wieder zuflüsterte: So anders kann dieses Buch nicht sein. Und Überraschung: So anders war dieses Buch auch nicht. Zugegeben: Aufhören konnte ich trotzdem nicht, denn die Geschichte ist mitreißend und spannend geschrieben, lädt zum schmunzeln zwischendurch ein und hält auch die ein oder andere schöne Szene bereit, was aber leider nicht reicht.

Über die Geschichte an sich möchte ich gar nicht viel erzählen, denn da würde ich wohl zu viel vorweg nehmen, obwohl ich ja finde, dass es von Anfang an relativ klar war, worum es geht und worauf das alles hinauslaufen würde. Sky Bright ist eine angenehme, sympathische Protagonistin, die trotz ihrer Schlagfertigkeit in die stereotypische Schublade passt, d.h. sie ist schusselig, schwächlich und leicht naiv. Was sie aber andererseits wieder interessant machte, war ihre Vergangenheit, die ihr etwas mehr Tiefe verleiht, auch wenn sie insgesamt blass bleibt. Ihr Gegenpart Zed lässt sich leicht mit zwei Wort beschreiben: Unglaubwürdig und widersprüchlich. Zuerst kommt er als typischer Bad Boy daher, abweisend und unfreundlich - und natürlich hat er bisher noch niemanden an sich herangelassen, sieht aber blendend aus. Was darauf folgt ist so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche: Er kommt Sky näher und plötzlich, von einem Moment auf den anderen, schwingt sein gesamter Charakter um. Plötzlich ist er der Beschützer, eine absolute Memme und tut alles, was man ihm sagt.

Als wäre das nicht genug, geht die Liebe zwischen den Beiden derart schnell, dass ich öfter mal zurückblätterte, in der Hoffnung irgendetwas überlesen zu haben. Kennenlernen und Tiefe kann man hier leider knicken. Generell bringt das Buch nicht viel frischen Wind mit sich und die Geschichte wirkt wie eine Mischung aus "Bodyfinder" und einigen Elementen aus "Die Beschenkte" - inkl. dem erwähnten Urban Fantasy Schema. Auch der Nebenstrang bleibt vorhersehbar und Überraschungseffekte sucht man hier vergebens - wie alles ausgeht ist von vorneherein klar und das dämpf leider auch den eigentlich ganz schönen Schreibstil und den teilweise aufkeimenden Humor, der mich dann und wann zum Grinsen brachte. Potenzial wäre ja dagewesen, aber genutzt wurde das leider sehr wenig, was ich nach dem großen Hype sehr schade finde.


Habt ihr Sky schon gefunden und die Macht der Seelen auf eurer Zunge geschmeckt? Wenn nicht: In eurer Buchhandlung des Vertrauens könnt ihr sie sicherlich finden, allerdings muss es nicht unbedingt sein, wenn ihr die Hauptverdächtigen des Genres bereits gelesen habt und auf der Suche nach etwas Neuem seid. Neben dem bewährten Schema, unglaubwürdigen Figuren und wenig Originalität gibt es hier nämlich nur noch wenige Aspekte, die zu begeistern wissen. Auch wenn sich die Geschichte flüssig liest, man das ein oder andere Mal darin versinkt und ein Lächeln auf die Lippen zaubert, hebt sie sich nicht vom Mittelmaß ab und hat mich eher enttäuscht zurückgelassen. Überraschungseffekte fehlen hier gänzlich und beinahe alles ist absolut vorhersehbar. Schade, denn hier hätte man sehr viel mehr draus machen können.


 
Joss Stirling studierte Anglistik in Cambridge und war schon immer von der Vorstellung fasziniert, dass es im Leben mehr gibt, als man mit bloßem Auge sehen kann. Um für den vorliegenden Roman zu recherchieren, unternahm sie eine ausgedehnte USA-Reise von den Rocky Mountains bis nach Las Vegas. [via dtv]

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