[Rezension] Julie und Schneewittchen - Schlimmer geht's immer von Franca Düwel

11:52:00 AM


Autor: Franca Düwel
Titel: Julie und Schneewittchen - Schlimmer geht's immer
Teil einer Reihe? Ja, 1. Teil einer Reihe
Gebundene Ausgabe: 276 Seiten
Verlag: Arena
ISBN-10: 340106407X
ISBN-13: 978-3401064079
Preis: 12,99€
Originaltitel: -
Genre: Kinder- und Jugendbuch; Realität; Tagebuch
Themen: Pubertät; Liebe; Mobbing; häusl. Gewalt; Gedanken; Familie; Erwachsenwerden; Freunde
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 Heute ist Mama mit Ottilie aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen.

 
Das Leben der zwölfjährigen Julie Ahlberg ist eine einzige Achterbahnfahrt und frei nach dem Motto: Schlimmer geht's immer. Bei ihrer exzentrischen Freundin Hanna, ihrem süßen Nachbarn Ben und ihrer momentan überaus gestressten Mutter, die gerade ein Baby zur Welt gebracht hat, ist Chaos natürlich vorprogrammiert. Vor allen Dingen als Sharina, die Neue, in die Klasse kommt und Hanna alles tut, um diese vor allen schlecht zu machen. Bald muss Julie herausfinden, auf welcher Seite sie eigentlich stehen will, ob Sharina wirklich so schlimm ist, wie Hanna behauptet, Hanna überhaupt eine richtige Freundin ist und dann ist da natürlich noch Ben, den Julie irgendwie süß findet...

 
In Tagebüchern schreibt man einfach all seine Gedanken auf und versucht diese zu ordnen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die Gedanken sich überschlagen und der Schreibstil ist dabei natürlich umgangssprachlich. Julie bzw. Franca Düwel hat daher eine ganz besondere Leistung vollbracht und die Gedanken einer Zwölfjährigen realistisch verpackt und bringt diese auch noch anspruchsvoll an den Leser. Der Schreibstil ist zwar merkbar an eine jüngere Zielgruppe gerichtet, lässt sich aber eigentlich in jedem Alter ziemlich gut lesen. So streut Düwel in den richtigen Momenten Ironie und Humor ein und hat ein gutes Händchen für einen angenehm lesbaren, aber dennoch angepassten Stil, der Julie greifbar und absolut sympatisch macht.

Tagebücher sind ganz besondere Orte für Gedanken und jeder, der halbwegs gerne schreibt oder nicht wusste, an wen er sich wenden soll, hat sicherlich schon einmal eines geführt, auch wenn es nach einer Weile irgendwo verstaubt in einer Ecke lag und da vor sich hin moderte. Julie schreibt jedoch eisern und regelmäßig Tagebuch, um ihr chaotisches Leben zumindest ansatzweise zu in den Griff zu bekommen. Dabei wird ihr kleines Büchlein beinahe schon ein Vertrauter, den sie mit ihren Gedanken und kleinen Zeichnungen füttert. Mit ihren zwölf Jahren durchlebt sie momentan eine schwierige Phase und steckt zwischen Kindheit und Pubertät fest, sodass ihre tiefgehenden, aber dennoch lustigen Gedankengänge gleichzeitig für Kinder in ihrem Alter, aber auch für junge Erwachsene, die sich noch gut an diese Zeit erinnern und vermutlich oft nicken und zurückdenken werden, interessant sind.

So quietschebunt und verschnörkelt die Gestaltung des Buches ist, ebenso durcheinander und süß ist auch der Inhalt des Buches, denn bei Julie geht es wirklich rauf und runter. Die Mischung aus Frische, Ernsthaftigkeit und Humor klappt hier einfach super und obwohl man denken könnte, dass das Buch eher an der Oberfläche schwimmt, beschäftigt es sich auch mit schwierigen Themen wie Misshandlung, Gewalt und Mobbing. Eben diese Themen, die gerade in Julies Alter eine wichtige Rolle spielen, wobei das Buch nie zu ernst wird, sondern immer den richtigen Ausgleich zwischen Julies Chaos und oben genannten Themen findet. Gerade dieser Ausgleich hat das Buch auch für mich so lesenswert gemacht, da ich zuvor davon ausgegangen bin, dass mir das Buch eventuell doch zu kindisch sein könnte. Im Nachhinein kann ich jetzt jedoch sagen, dass dies keineswegs der Fall ist.

Die Protagonistin Julie ist dem Leser natürlich von Anfang an durchweg sympathisch, da man quasi ihre größten Ängste und tiefsten Gedanken kennt. Zudem ist sie einfach eine warme und herzliche Person, die alles in Frage stellt und von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Zugegeben manchmal hat sie mir vielleicht etwas zu hochgestochen geschrieben, da ich mir teilweise nicht habe vorstellen können, wie meine zwölfjährige Cousine so schreiben könnte, aber das hat mich eigentlich so gut wie nie gestört. Ansonsten gibt es noch die stereotypische beste Freundin Hanna, die eigentlich gar keine echte Freundin ist und den süßen Nachbarsjungen Ben, sowie Scharina, die gehänselt wird und alle sorgen dafür, dass immer etwas los ist. Das führt zu einer konstanten Spannung, da der Leser immer wissen möchte, wie es weitergeht.

Die Geschichte ist einfach richtig gut konstruiert und eine Situation ergibt sich aus der nächsten, sodass Julie mit ihren Taten eine richtige Kettenreaktion auslöst, die sich durch das ganze Buch zieht und ein Missverständnis nach dem anderen mit sich bringt. In jeder Situation und fast an jedem Ort berichtet sie von dem Geschehenen, was teilweise etwas unglaubwürdig wirkte, da sie beispielsweise im Watt, als die Flut kam, davon berichtete und in so einer Situation hätte sicherlich keiner die Ruhe noch einmal eben ein paar Gedanken loszuwerden. Ihre Handlungen waren aber dennoch größtenteils nachvollziehbar und bringen Schwung in die Geschichte, die sich gegen Ende etwas in die Länge zog, was mich aber letztendlich nicht weiter gestört hat.

Denkt ihr euch manchmal, schlimmer könnte es nicht mehr werden? Dann kennt ihr Julie und ihr chaotisches Leben noch nicht, denn allein ein Tagebucheintrag wird euch zeigen, dass es durchaus immer schlimmer kommen kann. Das zeigt die Zwölfjährige mit ihrem humorvollen, charmanten und anspruchsvollen Schreibstil, mit welchem sie gekonnt ihre Gedanken verpackt und dem Leser ihr Leben präsentiert, in dem es nicht bei einem Missverständnis bleibt. Neben Humor verpackt die Geschichte jedoch auch ernsthafte Themen wie Mobbing und Gewalt, was einen guten Ausgleich schafft, welcher das Buch für Groß und Klein interessant macht. Eine Menge Lacher und Spaß sind garantiert, wenn ihr in Julies Leben eintaucht und mit ihr gemeinsam über das Leben stolpert.


Franca Düwel, geboren 1967, studierte Literaturwissenschaften und Pädagogik. Nach diversen Stationen in der Filmbranche ist sie als Drehbuchautorin hocherfolgreich. Sie entwickelte die Kinderserien »Die Pfefferkörner« und schrieb zahlreiche Folgen von »Berlin, Berlin«. Franca Düwel lebt mit ihrem Mann und ihren Töchtern in der Nähe von Hamburg.

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