|Filmgedanken| Rubinrot

9:09:00 PM



























Gwendolyn Shepherd war schon immer das schwarze Schaf der Familie - im wahrsten Sinne des Wortes. Als einzige Schwarzhaarige unter lauten Rotschöpfen wirkt sie beinahe etwas fehl am Platz, doch das ist nicht alles. Seit jeher birgt ihre große und verrückte Familie ein Geheimnis um ihre Cousine Charlotte, die als "Genträgerin" bezeichnet wird. Angeblich soll sie eine Zeitreisende sein, doch für Gwenny ist das alles Unfug. Bis ihr eines Tages übel wird und sie sich in einem vergangenen Jahrhundert wiederfindet. Damit verändert sich ihr ganzes Leben, denn plötzlich steht nicht mehr Charlotte, sondern sie selbst im Vordergrund und das bringt einige Probleme mit sich. Nicht genug, dass sie nun eine Mission von einer Geheimloge in der Vergangenheit zu bestehen hat, bekommt sie auch noch einen mehr als unangenehmen Reisepartner: Den ebenfalls zeitreisenden Gideon de Villiers und der sieht nicht nur gut aus, sondern macht ihr tagtäglich das Leben schwer.


Deutsche Filme und ich, das ist so eine kritische Angelegenheit. Vor allen Dingen, wenn es sich dabei um eine Buchverfilmung handelt. Doppelt vor allen Dingen wenn es sich dabei um eine Buchverfilmung eines Buches handelt, dass mich zu begeistern wusste. Trailertechnisch war der Film bei mir schon durchgefallen, noch bevor ich den Trailer überhaupt zu Ende gesehen hatte, denn irgendwie stimmte für mich nichts. Unpassende Schauspieler (vor allen Dingen Gideon!), hölzerne Dialoge und dieses speziell "deutsche" (dafür gibt es einfach keine Umschreibung!) sorgten dafür, dass ich dem Film "Rubinrot" sehr kritisch gegenüber stand und eigentlich auch nicht sehr viel Lust hatte, den Film im Kino zu sehen, auch wenn da dieses kleine Fünkchen Neugierde war. Wie würde man das Buch umsetzen, das so viele Leserherzen im Sturm erobern konnte?

Überraschend gut, ist die Antwort auf diese Frage, denn nun, da ich den Film im Kino gesehen habe, haben sich viele Zweifel als unbegründet herausgestellt. Zwar habe ich doch relativ viel zu beanstanden, dennoch konnte der Film mich (fast) ganze 122 Minuten sehr gut unterhalten. SO gut, dass ich nach ebendiesen 122 Minuten Rubinrot Lust hatte, mir den Film noch einmal anzusehen. Um erst einmal einen kurzen Kommentar vorweg zu nehmen: Der Film basiert auf dem Buch. Es handelt sich zwar um eine Buchverfilmung, dennoch muss man Film und Buch als eigenständige Werke sehen, weil viele Szenen, die im Buch gepasst haben, im Film einfach nicht gewirkt hätten, deswegen finde ich viele Änderungen des Film sehr angebracht, einige aber auch sehr daneben.

Kommen wir aber erst einmal zu den positiven Punkten: Gwendolyn und Gideon! Ich muss sagen, dass die beiden meiner Meinung nach unter keinem sehr guten Stern gestanden haben, aber im Laufe des Films wurde Gwendolyn immer mehr zu der Person, die ich mir im Buch vorgestellt habe. Ihre Ungeschicklichkeit, ihre Schlagfertigkeit, die Art, wie sie gleichzeitig ängstlich und stark ist, all das konnte ich in Maria Ehrich finden. Ein bisschen verloren gegangen ist zwar die Naivität, die Gwenny in den Büchern hatte, aber ehrlich gesagt fand ich diese auf Dauer ohnehin nervig, sodass mir die Film-Gwendolyn sehr gut gefallen hat. Auch Gideon hatte bei mir seine Startschwierigkeiten, denn während ich ihn in der ersten Szene noch ziemlich lächerlich fand, wurde er dann später irgendwie doch immer besser (und auch ein wenig hübscher. Ich glaube, den Jungen muss man sich länger anschauen bis der Charme wirkt ;). Die Chemie zwischen den beiden fand ich auch ziemlich überzeugend, obwohl es nicht dieselbe Stärke wie im Buch hatte. Trotzdem fand ich die Dialoge witzig und peppig und allein die Szene beim Inder war sehr gelungen.

Ein absolutes Highlight für mich war Katharina Thalbach als Tante Maddie. Fast genauso habe ich sie mir vorgestellt, durchgeknallt, neugieirg, etwas gruselig und niedlich. Allein die Szene, in der sie ihre Vision hat, hat mich gefrieren lassen. Eine richtig tolle Schauspielerin und ein großer Pluspunkt für den Film. Dasselbe gilt für Charlotte, die ich ziemlich gut umgesetzt fand. Ihre Arroganz, die Wut und auch ihre Verzweiflung wurden sehr gut rübergebracht und haben mich überzeugt. Sogar James fand ich ziemlich gut dargestellt und das gilt für die ganze Geistergeschichte, fand ich sogar überzeugender als im Buch. Weiterhin fand ich die Effekte ziemlich spannend und sehr gut realisiert, vor allen Dingen bei der Zeitreise. Wirkte authentisch und war immer wieder schön anzusehen - gerade dann wenn Gwenny sich mal wieder auf die Schnauze legt! Sogar der Chronograph sah exakt so aus, wie ich ihm mir vorgestellt hatte.

Allerdings gab es auch Dinge, die absolut in die Hose gegangen sind. Eines davon ist beispielsweise Leslie. Keine Frage, die Schauspielerin ist niedlich, aber leider absolut nicht Leslie. Schauspielerisch hat sie keine Glanzleistung hingelegt - ganz im Gegenteil. Sie wirkte, wie die Schauspieler eines Schultheaterstücks - künstlich und hölzern mit den immer gleichen Mimiken und dieser gekünstelten Sprechweise. Schade, aber da sie nicht so viele Auftritte hatte, hat das dem Film keinen Abbruch getan. Lucy fand ich auch ziemlich fehlbesetzt. Dazu kommt, dass einige Szenen wirklich absolut verdreht worden sind, auch Dinge, die im Buch gerade dafür gesorgt haben, dass man die Figuren verstehen kann, wie beispielsweise der verstorbene Sohn Robert von Dr. White, der im Film dann plötzlich der Bruder von Gwenny Großvater wurde. Dr. White wirkte dadurch einfach nur eklig arrogant und gemein, die Begründung für sein Verhalten wurde absolut nicht klar und wird es wohl auch nie werden. Den Grafen von Saint Germain fand ich in Ordnung, wirkte auf mich aber auch nicht hundertprozentig so böse, wie es im Buch der Fall war. Davon einmal abgesehen war die Szene, in der er plötzlich in einer Wand auftaucht, ziemlich lächerlich.

Ein letzter Punkt, der dem Film dann etwas den Wind aus den Segeln nahm, war die Tatsache, dass er leider kein Ende gefunden hat. Irgendwie hat er den Punkt verpasst, an dem es hätte vorbei sein sollen, immer mehr Szenen kamen, die unnötig gewesen waren und sich dann irgendwann in die Länge zogen. Es gab so viele Stellen, an denen ich gedacht hätte: Und das jetzt als letzten Satz so stehen lassen und Ende, aber nein, es ging immer weiter. Trotzdem konnte mich der Film größtenteils unterhalten, obwohl er mit dem Buch nur in manchen Punkten zu vergleichen ist. Ich fand ihn gelungen, witzig, spannend, romantisch und einfach schön für zwischendurch. Eben ganz genau die Eigenschaften, die ich dem Buch auch zuschreiben würde.

Wer sich den ganzen obigen Kram nicht durchlesen wollte, weil es wirklich lang geworden ist, also so viel: Der Film ist toll! Er hat auf jeden Fall seine Schwächen, "deutscht" an manchen Stellen etwas rum, kann aber ansonsten absolut mit amerikanischen Produktionen mithalten. Die Hauptfiguren sind toll besetzt, was aber leider auch dazu führt, dass einige Figuren merkbar schlecht schauspielerten, wie beispielsweise Leslie. Highlights sind Tante Maddie, die Effekte, die Kostüme, die musikalische Untermalung und London - atmosphärisch meiner Meinung sehr dicht mit den vereinzelten Stadtaufnahmen. Eine tolle Unterhaltung, viel Action und Spaß, auch wenn es sich zum Ende hin leider etwas zieht und der Film kein Ende findet. Ich für meinen Teil wurde entgegen meiner Erwartungen positiv überrascht und würde ihn mir sogar ein zweites Mal anschauen. Hoffentlich werden die Nachfolgebände auch verfilmt und hoffentlich mit Xemerius!

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