|Kleine Buchgedanken| Wenn man den Absprung verplant oder auch: Captured in Wonderland - Freiwillige Gefangenschaften

10:25:00 PM


Wenn man den letzten Satz eines Buches verschlingt, die Buchdeckel zuklappt und keine Ahnung hat, was man nun mit sich anfangen soll, hat man augenscheinlich ein Problem. Ein Problem, was im schlimmsten Fall zur Leseflaute und im besten Falle dazu führt, dass man dieses Problem beim nächsten Buch wieder hat. Es ist sicherlich ein Segen, sich in eine Geschichte hineinzufühlen und Teil von ihr zu werden, aber ebenso sehr ist es ein Fluch. Denn manchmal klappt man ein Buch zu und merkt, dass irgendetwas fehlt. Man selbst fehlt, hat sich irgendwo zwischen Realität und Phantasie liegen gelassen, wo man nun darauf wartet, dass die Geschichte doch irgendwie weiter geht. 


Was ist das nur mit uns Bücherwürmern, dass wir manchmal den Ausstieg verpassen und der Buchstabenexpress mit einer solchen Geschwindigkeit dahinrauscht, dass man nicht mehr aussteigen kann? Oder besser: Was kippen die Autoren in ihren Buchstabensalat, dass man so abhängig von ihren Worten wird und um jeden Preis mehr davon will? Diese freiwillige Gefangenschaft im Wörterwunderland ist bei mir mitunter Schuld für meinen kleinen Blogausfall (mal ganz abgesehen vom Unikram), denn irgendwie hemmt dieser Drang nach denselben Worten meine Kreativität und meine Lust selber zu schreiben. Viel lieber würde ich weiter mit verwunschenen Tigern in Indien umherwuseln, von einem Abenteuer ins nächste stürzen oder gemeinsam mit Grimalkin ins Nimmernie aufbrechen.

Sattdessen breche ich jedes Mal wieder aus allen Wolken, wenn ich ein Buch zuklappe und mich in der Realität wiederfinde und tagelang darüber nachgrübele, wie die Geschichte weitergehen könnte. Aus aktuellem Anlass befinde ich mich gerade wieder mal hinter Gittern und zwar - wie es manche schon erraten können - mal wieder in Indien. "Fluch des Tigers" hat mich heruntergeschluckt und behält mich jetzt erstmal eine Weile im Bauch, ehe es mich irgendwann vielleicht wieder ausspuckt. Andererseits - wie faszinierend, was Bücher mit einem anzustellen wissen. Ich glaube, trotzdessen, dass mich dieses Gefühl nach mir selbst in einem Buch suchen zu müssen, immer wieder kleine Tode sterben lässt, ist es auch gleichzeitig einer der Gründe, warum ich das Lesen so liebe.

Kennt ihr das? Seit ihr auch manchmal zwischen Realität und Phantasie gefangen und müsst euch erstmal von einem Buch erholen? Welche Bücher haben das bisher bei euch geschafft?

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