|Kleine Buchgedanken| "Und, wie war ich?" oder auch: Sex in Jugendbüchern - verklemmtes Liebesgesülz oder heiße Nächte?

2:30:00 PM


Bella und Edward durften es erst nach der Ehe, in den meisten Jugendbüchern kommt es nicht einmal zur Sprache und manchmal - aber nur manchmal! - endet ein Kapitel damit, dass die Protagonisten ihre Körper erkunden (und dass so undetailliert, dass sie sich genauso gut nach Läusen absuchen könnten). Was ist das nur mit der schönsten Nebensache der Welt, dass sie in so vielen Jugendbüchern keine Rolle spielt? Einerseits überraschen uns die Amis mit fragwürdigen Liedern, in denen nett gefragt wird: "Can you blow my whistle, baby?" und andererseits verlieren sie in Büchern meist nicht einen Ton darüber, dass es so etwas überhaupt gibt. Ganz im Gegenteil: Küssen ist schon ganz versaut und das Höchste, was es nach Händchen halten überhaupt geben kann. Aber wie heißt es doch so schön? Ausnahmen bestätigen die Regeln und deshalb wollte ich heute ein wenig über das Thema Sex in Jugendbüchern quatschen und euch einige vorstellen, in denen die natürlichste Tätigkeit der Welt eine Rolle spielt (oder eben auch nicht!).
Warum ist es eigentlich immer so leicht über Gewalt und Hass zu schreiben und gleichzeitig so schwer, Sex und Gefühle glaubwürdig an den Leser zu bringen? Entweder man übertreibt es (sodass direkt ein Erotikroman daraus wird) oder es kommt nicht zur Sprache. Die berühmt berüchtigte goldene Mitte scheint es nur sehr selten zu geben, zumal Liebesszenen schnell abgedroschen wirken können und sich einige Autoren da wirklich sehr schwer tun. Wie sieht eine gute Liebesgeschichte überhaupt aus? Klar, ist Sex nicht das Wichtigste, aber doch in einer normalen Beziehung relevant (vor allen Dingen Jugendliche wollen sich und ihre Grenzen doch austesten) und schön! Ich für meinen Teil finde es schade, dass ein Junge in Jugendbüchern meistens nur als absoluter Bad Boy Sex haben kann. Hat das mit der Zielgruppe zu tun? Trauen die Autoren ihren jungen Lesern nicht zu, mit Sex umgehen zu können? Und das, wo doch gerade in der heutigen Zeit Sex schon in zwölfjährigen Köpfen herumtanzt und das Durchschnittsalter für das erste Mal bedenklich weit unten liegt.

Umso trauriger, dass oft Wertvorstellungen in Bücher gepresst werden, die in der heutigen Zeit mehr und mehr mittelalterlich und unangebracht sind. Ich denke nicht, dass sich in dieser Zeit noch viele Jugendliche mit Sex nach der Ehe auseinander setzen und wenn, hat das oft mit einer strengen Erziehung oder Glaube zu tun. Autoren wie Jamie McGuire ("Beautiful Disaster"), Nina Blazon ("Ascheherz"), Stephen Chbosky ("Das also ist mein Leben") oder Simone Elkeles ("Leaving Paradise") zeigen auf jeden Fall auf unterschiedlichste Art und Weisen, dass Sex in Jugendbüchern nicht abgedroschen oder schlimm ist. Er gehört zu einer Beziehung, auch wenn er definitiv nicht das Wichtigste ist. Warum also nicht mal zeigen, dass Sex, Liebe und Vertrauen Wörter sind, die durchaus zusammengehören können? Manchmal würde ich mir zumindest ein bisschen mehr Intimität wünschen - vor allen Dingen, wenn der männliche Protagonist über sechzehn ist, denn spätestens dann wird er öfter mal an Sex denken - selbst der verklemmteste Vampir!

Wie seht ihr das? Würdet ihr intime Begegnungen zwischen Buchcharakteren gut finden oder reicht Knutschen und Händchen halten? Ist die Zielgruppe mancher Bücher zu jung für Sex? Oder ist es realistisch, dass manche Jungs in Büchern anscheinend nicht mal daran denken, dass das Ding da unten nicht nur zum Pinkeln da ist?

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