|Filmgedanken| "Chroniken der Unterwelt: City of Bones"

10:00:00 AM



Als Clary Fray mit ihrem besten Freund Simon den Club Pandemonium betritt, geschieht etwas merkwürdiges: Clary beobachtet, wie eine Gruppe in schwarzes Leder gekleidete Jugendliche einen Menschen ermorden - nur ist sie die Einzige, die sie sehen kann. Ständig kritzelt sie merkwürdige Zeichen, die sie nicht kennt und ihre Mutter scheint mehr zu wissen, als Clary denkt. Als sie unterwegs schließlich einen Anruf ihrer Mutter erhält, in dem sie Clary unbedingt davon abhalten will nach Hause zu kommen, steht Clarys Welt Kopf. Die Wohnung ist verwüstet, ihre Mutter verschwunden und alles, was ihr bleibt, ist einer der Jugendlichen aus der Gruppe aus dem Pandemonium - Jace Wayland, der felsenfest behauptet ein Schattenjäger zu sein. Schon bald entdeckt Clary eine ihr ungeahnte Welt, die enger mit ihrem Schicksal verwebt ist, als sie es je für möglich gehalten hätte...


Diese Verfilmung stand für mich monatelang unter keinem guten Stern: der Trailer wirkte blass mit hölzernen Dialogen und von Jace wollen wir gar nicht erst anfangen. Meine Erwartungen waren daher, wenn überhaupt
vorhanden, auf ein Minimum reduziert - was in dem Fall wohl keine schlechte Voraussetzung war, denn wenn es keine Erwartungsbasis gibt, kann das Produkt doch eigentlich nur besser werden, oder? Tatsächlich! Meine filmischen Eindrücke könnte ich in einer ganzen Farbpalette beschreiben, obwohl ich nicht sagen würde, dass es DER Film des Jahres, geschweige denn DIE Buchverfilmung ist. Nein, "Die Chroniken der Unterwelt: City of Bones" ist ein solider Film, der mit Humor, Action und Spannung punktet, aber wie so oft nicht mit der Buchvorlage mithalten kann. Enttäuschung? Keine Spur, ich fühlte mich knapp hundertdreißig Minuten sehr gut unterhalten (und kann mich auch nicht mehr an jedes Detail aus dem Buch erinnern!).

Es gibt Dinge, die man wohl nie verstehen wird und auch City of Bones bietet ein ganzes Tablett solcher Phänomene: Warum hat Valentine geflochtene Zöpfe? Warum wird ein Haupthandlungsstrang, der in der Reihe erst in Band 3 gelöst wird, schon am Ende des Film gespoilert? Und warum zur Hölle wurde Jamie Campbell Bower mit jeder Minute attraktiver? Zu letzterem muss ich sagen, dass ich Bower tatsächlich (immer noch) ziemlich unattraktiv finde und er definitiv nicht der Jace ist, den ich mir vorgestellt habe (aber das umzusetzen dürfte auch ohnehin schier unmöglich sein!), er aber im Laufe des Film annähernd immer mehr zu einer Alternative wurde. Er hatte Coolness, Sexappeal und den Humor, den wir an Jace doch alle so sehr geliebt haben - von seiner schauspielerischen Fähigkeit möchte ich aber nichts sagen, denn die lässt bei 80% des Casts eher zu wünschen übrig: Clary (Lily Collins) kopiert die obligatorische "Der-Mund-muss-die-meiste-Zeit-offen-stehen"-Pose und hat mich damit ziemlich genervt und
auch Jace lässt prinzipiell wenig komplexe Mimik zu.

Die restlichen Schattenjäger (Alec und Isabelle) bleiben sehr blass und unpassend, ihnen fehlt der typische Charakter, den sie im Buch immer so gut eingesetzt und damit stetig die Atmosphäre gelockert haben. So bleibt Isabelle nur tough und der im Buch so oft geschätzte Sarkasmus geht ihr völlig ab. Alec hat eigentlich nur Szenen, die zeigen sollen, dass er in Jace verliebt ist - ansonsten geht er völlig unter. Simon fand ich wiederrum sehr gut gewählt und authentisch, ebenso wie Hodge und auch Luke hatte seine guten Szenen (obwohl ich die helle Strähne im Haar nicht verstanden habe - war das im Buch auch so?). Kostüme und Animationen fand ich aber ziemlich gut, vor allen Dingen die Dämonen (wie eklig war dieser Hund bitte?) und Werwölfe fand ich gut umgesetzt. Ledermontur und Runen: Check, sah authentisch aus und hat einen
netten Anblick geboten.

Das klingt jetzt insgesamt natürlich etwas negativ, aber ich muss sagen, dass ich während des Films eigentlich positiv überrascht war und für platte Unterhaltung hält City of Bones gerne mal ein paar Lacher und Actionszenen bereit. Man hat schon gemerkt, dass zwanghaft versucht wurde, der Humor aus dem Buch zu adaptieren, was nur zeitweise geklappt hat und auf jeden Fall zu wenig war. Auch die Actionszenen waren etwas zu ausgeprägt und gerade gegen Ende gab es durchgängig Kämpfe. Kitschiges Fremdschämen gab es leider auch - und das nicht zu wenig. Die Szene im Wintergarten mit dem Sprenkler war noch halbwegs ertragbar, aber als Jace dann mit irgendwelchen Engelskomplimenten anfing ("Ich habe dir doch gesagt, ich habe noch nie einen Engel gesehen. Tja, ich habe gelogen!" Urghs!), war es mir dann doch ein wenig zu viel des Guten. Atmosphärisch gesehen hat der Film aber doch einiges zu bieten: er ist im richtigen Maße düster und auch ernst, um dann wieder witzig und locker zu sein.

Nicht nur Jace gibt sich manchmal einen Korb, auch der Film hatte Momente, die nicht hätten sein müssen. Interessanter wird es dadurch leider nicht: Kitsch und aufgesetzte Dialoge (von der schlechten Synchro mal ganz zu schweigen! Wie Clary jedes Wort betont hat...) sorgen für eine etwas schleppende Stimmung, doch insgesamt hat mich der Film positiv überrascht und auch wenn er weder Tiefe, noch schauspielerisches Talent an den Tag gelegt hat, so gibt er dem Kinobesucher eines auf jeden Fall: Unterhaltung und Spaß. Und ich gehe ja auch nicht in einen Urban-Fantasy-Jugend-Film, um über das Leben und den Sinn zu philosophieren, sondern um genau das zu bekommen, was "City of Bones" mir serviert hat. Nett für lockere Stunden, witzige Szenen und actionreiche Momente und für Fans der Bücher sowieso ein Muss - aber auch für diejenigen, die die Reihe noch nicht kennen, dürfte der Film etwas sein (insofern man denn Fantasy mag!).


Schon gelesen?

33 Wortmalerei(en)

Lasst mir eure Wortmalereien hier!

Powered by Blogger.

Gefällt dir?

Leser