|Flop Five| Die grausamsten Buch(unter)titel

7:50:00 PM


Jeder kennt sie, jeder hasst sie (zumindest die Mehrzahl). Sie sind vorwiegend ein deutsches Phänomen und an Kitsch kaum zu übertreffen. Worum es geht? Um Untertitel - natürlich. Im Jugendbuchbereich sind die grauenhaften Phrasen kaum mehr wegzudenken - heißt doch jede Reihe und jede Liebe "unsterblich", "ewig" oder "grenzenlos". Es ist, als müssten die deutschen Verlage ihren Büchern einen Stempel aufdrücken, der jedem Leser schamlos unter die Nase reibt, dass es eine Liebesgeschichte gibt, damit auch ja jeder rosarotbebrillter Liebesschnulzenleser nicht an dem Buch vorbeikommt. Dass die Liebe dabei nicht immer eine große Rolle spielt, scheint größtenteils schon fast egal zu sein. Aber es ist nicht immer die Liebe, oft sind es auch ganz banale Zusätze, die man sich ganz einfach hätte sparen können und die nur dort stehen, um Lücken zu füllen oder blöd auszusehen. Natürlich sind Untertitel nicht immer schlecht und gerade in letzter Zeit kommt es mir so vor, als würden die unliebsamen Anhängsel ein wenig vertrieben, aber prinzipiell sieht man sie immer noch viel zu oft. In meinem heutigen Flop Five* geht es jedenfalls um dieses Phänomen und ich präsentiere euch meine Flop Five der grausamsten Buchuntertitel! Merke: Es geht einzig und allein um die Untertitel im Bezug auf das Flop, nicht um den Inhalt des Buches.


Brennende Herzen kennt man zu Genüge aus der deutschen Schlagerszene, wo gerne mal ein Herz lichterloh brennt oder in Flammen aufgeht - wir kennen das alle, die Leidenschaft halt. Was ein solch metaphorisch kitschiger Untertitel jedoch auf einem Buch zu suchen hat, in dem es um Zombies, Tod und Verderben geht und das eine mehr kleine als große Liebesgeschichte zu bieten hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Herzklopfen? Ja, aber sicherlich nicht, weil es so romantisch zur Sache ging. Was hat man sich nur bei diesem Untertitel gedacht? Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses kitschige Statement so manchen Leser verschreckt hat!


Brennende Herzen, brennende Lippen...Was liegt da näher als "Brennender Kuss"? Das dachte man sich wohl auch im Verlag und verpasste dem Buch diesen grausigen Untertitel, den man fast verdecken will, weil er so unangenehm kitschig ist. Die große Frage, die sich dazu stellt, ist natürlich: Repräsentiert dieser Untertitel die Stimmung des Buches oder überhaupt irgendeinen wichtigen Aspekt? Nö, eigentlich nicht. Brennender Kuss würde prinzipiell auf jedes Liebesgeschichtenbuch passen und ist somit einfach nur unnötig und ein Lückenfüller, den dieses Buch nicht nötig gehabt hätte.


Merkt ihr es? Wir bewegen uns langsam weg von brennenden Körperteilen und machen uns auf in eine Sphäre der Ewigkeit. Unsterbliche Liebe, ja, ne - ist klar. Es ist faszinierend, wie viele Beziehungen im Jugendbuchbereich direkt als unsterblich und ewig bezeichnet werden und als wäre der Untertitel nicht schon schlimm genug, ziert er nicht nur das Cover von "Sixteen Moons", sondern ist auch der Reihenname der Tigerreihe von Colleen Houck. Witzig ist dabei die Tatsache, dass solche Beziehungen meist nur in der Kennenlernphase und den ersten Wochen dargestellt wird - danach hört man dann nie wieder etwas von ihnen. Die ewige Liebe ist heutzutage doch auch nur noch maximal fünfhundert Seiten lang! Das muss nicht sein!


Von der Unsterblichkeit zur Übersinnlichkeit in ein paar Sätzen - das gibt's nur in Büchern. Obwohl der Reihentitel "Lebe lieber übersinnlich" prinzipiell zu der Geschichte um Evie passt, weil er so zuckersüß und quietschig ist - eben so, wie die ganze Geschichte - ist er doch an Unnötigkeit nicht zu übertreffen. Als wären Titel und Cover nicht schon niedlich genug, knallt man direkt noch einen sinnlosen Reihentitel dazu, der kaum etwas aussagt und den sonst eigentlich ganz witzigen Titeln irgendwie den Auftritt raubt. Schade, das hätte wirklich nicht sein müssen.


Das ist dann wohl mal wieder ein Fall von "Wir wissen nicht, wie wir dieses Buch nennen sollen, deswegen denken wir uns einen total allgemeinen und kitschigen Untertitel aus, der alle Liebesschnulzenfans dazu bringt, dieses Buch zu kaufen". Herrlich und so unnötig. "Noah & Echo" ist zwar auch nicht unbedingt der kreativste Titel der Welt, aber er hätte mir völlig gereicht und mich trotzdem noch irgendwie neugierig gemacht. Das obligatorische "Liebe kennt keine Grenzen" wirkt hölzern, kitschig und einfach nur grausam.


*Flop Five ist eine neue monatliche Postreihe von mir, die quasi das Gegenstück zu den vielen Top 5 Posts darstellen soll - die es auf meinem Blog aber vermutlich auch irgendwann noch geben wird. Jedenfalls fand ich es ganz witzig, einfach auch mal meine persönlichen Flops der Bücherwelt aufzuzeigen und so werde ich jeden Monat ein anderes buchbezogenes Thema in meinem Flop Five präsentieren!

Was haltet ihr von meinem Flop Five und findet ihr die deutschen Untertitel teilweise auch so grausig? Was ist euer persönliches Untertitelflop?

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