Rezension | Ein Sommer ohne uns von Sabine Both

7:00:00 AM

Loewe | Klappbroschur | 240 Seiten | €12,95 | Kaufen?


Verena und Tom kennen sich von klein auf, sind ein Paar, seit sie dreizehn sind. Sie gehören einfach zusammen und das soll für immer so bleiben. Aber ein Gedanke lässt Verena – mitten im Abistress und voller Vorfreude auf das anstehende Studium – nicht mehr los: Sie hat noch nie einen anderen Jungen geküsst, geschweige denn Sex mit einem anderen gehabt. Doch sie liebt Tom und sich von ihm zu trennen oder ihn zu betrügen, kommt nicht infrage. Als sie schließlich mit Tom darüber spricht, treffen die beiden eine Vereinbarung: eine offene Beziehung, drei Monate Austobzeit nach dem Abi. Danach ist alles wieder wie vorher und die zwei wieder ein Paar. Zunächst genießen die beiden es, sich auszuprobieren. Doch sie haben nicht mit den Gefühlen gerechnet, die das Arrangement mit sich bringt: Zweifel tun sich auf. Ängste. Werden sie rechtzeitig einen Ausweg finden?


Die Zeit zwischen der Jugend und dem Erwachsenwerden ist eine der schwierigsten - alles fühlt sich falsch und doch richtig an, die Gefühle spielen einem Streiche und man will so reif sein, obwohl man doch noch so jung ist. In genau dieser Phase befinden sich die Protagonisten aus "Ein Sommer ohne uns" - mit dem zusätzlichen Dilemma seit fünf Jahren in einer festen Beziehung zu stecken, ohne jemals erfahren zu haben, wie das Leben ohne den jeweils anderen sein könnte. Mit viel Feingefühl, Melancholie und genau der richtigen Portion Drama erzählt Sabine Both eine stimmungsvolle wie schwierige Geschichte über eine Phase im Leben, die jeder schon einmal auf irgendeine Art und Weise durchgestanden hat. Vielleicht liegt es genau an dieser Tatsache, dass ich mich von der ersten Seite an so sehr in die Geschichte einfühlen und jede Stimmung genauso spüren konnte, wie die Figuren es taten. "Ein Sommer ohne uns" ist sehr speziell und wird sicherlich nicht jedem gefallen, doch diese besondere Mischung aus Melancholie und ebendiesem Gefühl aus der Pubertät, das noch so stetig in mir nachschwingt, hatte für mich einen ganz besonderen Zauber.


Umfasst und einmal mehr unterstrichen wird diese Geschichte und vor allen Dingen die Stimmung von Sabine Boths Schreibstil, der durch die kurzen und knappen Sätze eine stroboskopartiges Bild auf das Geschehen ermöglicht und auf eine ruppige und derbe Art und Weise poetisch wirkt. Durch die kurzen Sätze wird die Geschichte nie zu kitschig, dramatisch oder "zu viel", sondern zeigt genau die Gefühlsschwankungen, die der Leser spüren muss, spüren soll, um die Geschichte zu fühlen. "Ein Sommer ohne uns" ist abwechselnd in kurzen Abschnitten aus den Perspektiven von Verena und Tom erzählt, wobei hier durch die dritte Person Singular eine gewisse Art Distanz geschaffen wird, die man auch unbedingt braucht - die Schwere bleibt so noch in genau dem richtigen Maß ertragbar. "Ein Sommer ohne uns" fühlt sich an, wie ein Song der voller Erinnerungen ist - man spürt die Geschichte mit jeder Körperfaser und sie geht eindeutig unter die Haut. Und bleibt dort.





Die Figuren, allen voran Verena und Tom, sind vielschichtig und interessant, wobei es auch hier das ein oder andere Klischee gibt, was der Geschichte jedoch keinen Abbruch tut. Verena und Tom sind beine sympathische und nachdenkliche Figuren, die sich im Laufe der Geschichte entwickeln und um ebendiese Entwicklung geht es eigentlich auch. Auch wenn die beiden Charaktere durchweg sympathisch sind und ihre eigen Macken, Ecken und Kanten haben, ist das eigentlich besondere an ihnen, dass sie Projektionsfläche bieten. Sie sind ganz normale junge Erwachsene mit den Problemen von jungen Erwachsenen und sind aus dem Leben gegriffen - sie könnten du oder ich sein und das ist das, was sie wirklich ausmacht. Der Hauptfokus ist hier auch eindeutig auf die beiden gelegt, wobei die Nebenfiguren die Geschichte abrundet und noch authentischer macht. "Ein Sommer ohne uns" ist ein Charakterroman und ist nicht so sehr auf den Plot ausgelegt - Sabine Both erzählt mit leisen, aber dafür umso eindringlicheren Tönen.




"Ein Sommer ohne uns" wird nicht für jeden das richtige Buch sein. Und das kann ich auch verstehen. Die Geschichte ist sehr intensiv und auf eine besondere Art feinfühlig, wie ich sie selten erlebt habe. Wenn man sich darauf einlässt und auf der Welle der Emotionen mitreitet und diese an sich heran lässt, wird man dieses Buch mit jeder Faser spüren - es wird weh tun und es wird schön sein, vor allen Dingen aber wird dieses Buch etwas mit dem Leser machen und das ist eine Tatsache, die mich sehr beeindruckt hat. Daher: Unbedingt ausprobieren, darauf einlassen und lesen!

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