Rezension | After Love von Anna Todd

6:17:00 PM

Heyne | Klappbroschur | 944 Seiten | €12,99 | After we fell | Ursula C. Sturm (Übers.) | Kaufen?
Gerade als Tessa die wichtigste Entscheidung ihres Lebens getroffen hat, ändert sich alles. Die Geheimnisse in ihrer Familie und der Streit darüber, wie ihre Zukunft mit Hardin aussehen soll, bringen alles ins Wanken. Zudem schlägt Hardin immer noch um sich, anstatt Tessa zu vertrauen, und der Kreislauf aus Eifersucht, Zorn und Verschmelzung wird immer zerstörerischer. Noch nie hatte Tessa so intensive Gefühle, war so berauscht von einem Menschen. Aber reicht die Liebe allein?


Mit einem Satz schafft es Anna Todd auf eine freundliche Art all das zu sagen, was ich in einer Rezension vermutlich niemals schaffen würde, denn nicht nur der männliche Protagonist Hardin kommt sich vor, als wäre er in einer kitschigen Komödie gelandet - auch ich konnte dieses Gefühl bis zum Ende nicht abschütteln. Und habe zeitweise gehofft, Anna Todd würde lachend um die Ecke springen und zugeben, dass dieses Buch eine Parodie ist. Ich enttäusche euch direkt mal und spoilere: Das wird nicht passieren. Ganz gleich wie oft Hardin Tessas "Fleisch" beschreibt, als wäre sie ein knuspriges Brathähnchen (ja, in dem Zusammenhang mit dem Wort Fleisch wurde tatsächlich das Verb "knabbern" benutzt...), egal, wie hanebüchen und konstruiert die Geschichte auch wird und völlig gleichgültig wie viele Männer auf Tessa abfahren, als wäre sie eine läufige Hündin: dieses Buch ist keine Parodie. Es ist eine ernst gemeinte Liebesgeschichte um ein Mädchen ohne Selbstachtung und einen paranoiden Typen mit Stalkerqualitäten, der ebenso dringend eine therapeutische Sitzung bräuchte wie seine vermeintliche Unschuldsfreundin. Von Tessas Vater und allen anderen theoretisch erwachsenen Personen in diesem Buch möchte ich lieber gar nicht erst anfangen...


Eventuell könnte bereits aus diesem Abschnitt deutlich geworden sein, dass ich dieses Buch nicht ganz so berauschend fand - oder (um es deutlich zu sagen), dass ich es gehasst habe. Selten habe ich eine Geschichte so ungerne gelesen wie den dritten Band um Tessa und Hardin, selten habe ich so viele Seiten einfach überblättert, in denen es ausnahmslos um dasselbe, immer wieder aufgewärmte Theater geht. "After Love" liest sich, als würde man ein ausgespucktes, geschmackloses, altes Kaugummi immer wieder von Neuem kauen - und diese etwas eklige Metapher beschreibt meine Abneigung wirklich schon ganz gut. Die Ironie an der Sache ist, dass die Figuren wissen, wie unfassbar nervig, anstrengend und grausam sie sind, denn die meiste Zeit des Buches scheinen sie sich für ihr absolut unbrauchbares Verhalten zu entschuldigen und rechtfertigen zu wollen. Ständig gibt Tessa zu, dass sie wüsste wie ungesund die Beziehung zu Hardin ist und Hardin gesteht sich pausenlos ein, was für ein unnützer Kerl er eigentlich ist. Und trotzdem hört es nicht auf! Stattdessen fallen Anna Todd immer weitere kuriose Wendungen ein, die komplett an den Haaren herbeigezogen und unauthentisch wirken. Permanent tritt irgendeine andere Figur auf die Bildfläche und alle, ja, wirklich alle wollen sie Tessa und Hardin schaden.

Um anschaulich zu zeigen, wie unnötig diese Geschichte ist, auch wenn ich den ersten Band wirklich mochte, möchte ich kurz eine Rechnung aufstellen (keine Angst, durch meine fehlende Mathekompetenz wird sie völlig unkompliziert): 704 Seiten (Band 1) + 786 Seiten (Band 2) + 944 Seiten !! (Band 3) + 576 Seiten (Band 4) = 3010 Seiten. Noch einmal zur Erinnerung: es handelt sich hierbei nicht um einen Fantasyepos und die Zusatzbände aus der Sicht von Hardin (*hier bitte ein ungläubiges Kopfschütteln einfügen*) sind auch noch nicht mit einberechnet. Nein, es geht um eine On-Off-Beziehung mit solch abgedrehten Wendungen und merkwürdigen Szenarien, dass man sich zwischenzeitlich fragt, ob man selbst einfach ein gähnend langweiliges Leben hat und ob einem einzigen Menschen tatsächlich so viel verrückter Kram passieren kann. Oder ob die Autorin einfach sehr merkwürdige Fantasien und somit eine selbstzerstörerische Ader hat. In jedem Fall bin ich durch mit Tessa und Hardin, der dritte Band ist für mich trotz obligatorischem Cliffhanger mehr als genug und die immer gleichen Streitereien, Sexszenen und Wendungen können mir ein für alle Mal gestohlen bleiben. Und um das ganze nun wirksam und rahmentechnisch gut abzuschließen, kann ich nur sagen: Von Anfang bis Ende kam ich mir vor wie in einer kitschigen Komödie, die sich immer wieder im Kreis dreht. Und das ist wirklich noch sehr nett ausgedrückt.

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